Die ideale Länge von Interviews: Wie lange sollten sie wirklich dauern?
- Raphaela Hartounian
- 31. Mai 2024
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 3. Juni 2024

Interviews sind ein essenzieller Bestandteil des Einstellungsprozesses, aber wie lange sollten sie wirklich dauern? Die gängige Praxis variiert stark, von kurzen, prägnanten Gesprächen bis hin zu ausgedehnten Sitzungen. Interessanterweise deuten Studien darauf hin, dass die Entscheidung über einen Kandidaten häufig schon in den ersten Minuten – oder sogar Sekunden – getroffen wird.
Die Psychologie der ersten Eindrücke
Der erste Eindruck spielt eine entscheidende Rolle in menschlichen Interaktionen, und dies gilt besonders im Kontext von Vorstellungsgesprächen. Verschiedene psychologische Studien haben gezeigt, dass Menschen dazu neigen, schnell Urteile zu fällen. Diese Urteile sind oft schwer zu ändern, selbst wenn weitere Informationen präsentiert werden. In einem Interviewsetting bedeutet dies, dass der Personalverantwortliche innerhalb der ersten Minuten eine starke Meinung über den Kandidaten bildet.
Wissenschaftliche Studien zur Entscheidungsfindung
Eine Studie der Princeton University hat herausgefunden, dass Menschen innerhalb von nur einer Zehntelsekunde eine erste Einschätzung basierend auf dem Gesicht einer Person vornehmen. Natürlich geht ein Interview über das bloße Äußere hinaus, aber es zeigt, wie schnell unser Gehirn Informationen verarbeitet und Urteile fällt.
Eine weitere Untersuchung des National Bureau of Economic Research (NBER) ergab, dass die meisten Personalverantwortlichen ihre endgültige Entscheidung innerhalb der ersten fünf Minuten eines Interviews treffen. Dies legt nahe, dass der Rest des Interviews oft nur dazu dient, diese anfängliche Einschätzung zu bestätigen.
Was bedeutet das für die Länge von Interviews?
Wenn Entscheidungen so früh getroffen werden, stellt sich die Frage, ob lange Interviews überhaupt notwendig sind. Hier sind einige Überlegungen dazu:
Effizienz und Zeitersparnis: Kürzere Interviews könnten die Effizienz des Einstellungsprozesses erheblich steigern. Weniger Zeit pro Kandidat bedeutet, dass mehr Bewerber an einem Tag interviewt werden können.
Fokus auf Schlüsselmomente: Wenn der erste Eindruck so entscheidend ist, sollten Interviewer darauf achten, dass die Anfangsphase des Interviews optimal gestaltet ist. Eine klare Begrüßung, prägnante Fragen und ein strukturiertes Vorgehen können hier den Unterschied machen.
Zusätzliche Informationsquellen: Längere Interviews könnten dennoch ihre Berechtigung haben, wenn sie dazu dienen, zusätzliche, wichtige Informationen zu sammeln, die nicht sofort ersichtlich sind. Ein umfassenderer Blick auf die Fähigkeiten und die Persönlichkeit eines Kandidaten kann manchmal entscheidend sein, besonders für komplexere Rollen.
Fazit
Obwohl es verlockend sein mag, die Länge von Interviews drastisch zu kürzen, sollten Unternehmen eine ausgewogene Herangehensweise wählen. Der erste Eindruck spielt zweifellos eine große Rolle, doch ein gründlicher und fairer Einstellungsprozess kann durch eine kluge Kombination aus kurzen und gezielten sowie längeren und detaillierteren Interviews erreicht werden. Letztendlich sollte das Ziel darin bestehen, die besten Talente zu identifizieren, die sowohl fachlich als auch persönlich zum Unternehmen passen.



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